Killerfloskeln vermeiden
Von Heike Schneider-Jenchen · 14. Februar 2026
Killerfloskeln sind sprachliche Routinen, die sich unbemerkt in Verkaufsgespräche einschleichen und die Wirkung des Sprechers schwächen. Sie klingen harmlos, oft sogar höflich – und genau das macht sie so gefährlich.
Hier ist die Sache, die kaum jemand zugeben will: Nicht der laute Fehler kostet Sie den Auftrag, sondern der leise. Es sind die Sätze, die so neutral klingen, dass Sie sie nie hinterfragen. Ich selbst habe jahrelang jedes Gespräch mit „Ok, dann weiß ich Bescheid!” beendet. Jedes Mal fühlte es sich ein bisschen unprofessionell an – und jedes Mal habe ich es trotzdem wieder gesagt. Erst als ich damit aufhörte und stattdessen mit einem schlichten „Danke, auf Wiederhören” oder „Danke für die Info” abschloss, wurde ich am Telefon spürbar souveräner. Drei Wörter weniger. Eine andere Wirkung.
Drei Floskeln, die Sie sofort streichen sollten
1. „Darf ich Sie kurz stören?”
Mit diesem Satz haben Sie verloren, bevor Sie angefangen haben. Sie sagen Ihrem Gegenüber wörtlich, dass Sie eine Störung sind – und das Unterbewusstsein nickt brav: Ja, eigentlich schon.
Sie verhandeln nicht auf Augenhöhe, wenn Sie sich selbst zur Belästigung erklären. Besser: „Haben Sie gerade einen Augenblick für mich?” – oder noch mutiger: steigen Sie direkt mit Ihrem Anliegen ein. Wer etwas Wertvolles zu sagen hat, entschuldigt sich nicht dafür, dass er es sagt.
2. „Wann darf ich mich wieder melden?”
Dieses kleine Wörtchen „darf” verrät alles. Sie bitten um Erlaubnis, als wären Sie ein Bittsteller – dabei bringen Sie einen konkreten Mehrwert mit.
Augenhöhe ist keine Frage der Lautstärke, sondern der Wortwahl. Besser: „Wann macht es für Sie und mich Sinn, dass wir wieder miteinander sprechen?” Damit machen Sie aus einer Bitte einen gemeinsamen Plan – und aus zwei Parteien ein Team.
3. „Ist denn mein Angebot / sind meine Unterlagen angekommen?”
So eröffnet man kein Nachfassgespräch, so entschuldigt man sich für seine eigene Existenz. Diese Frage ist defensiv, sie ist schwach, und sie stellt Sie selbst in Zweifel, noch bevor das eigentliche Gespräch begonnen hat.
Besser: Nennen Sie das Angebot direkt beim Namen und wenden Sie anschließend die 30-Sekunden-Regel an – klar, prägnant, auf den Punkt. Sie wissen, dass die Unterlagen angekommen sind. Tun Sie nicht so, als müssten Sie das erst nervös erfragen.
Praktischer Tipp
Hier kommt die Übung, die unbequem ist und genau deshalb funktioniert: Nehmen Sie sich beim Telefonieren mit dem Smartphone selbst auf. Sie werden überrascht sein – vielleicht sogar leicht entsetzt –, welche Sprachmuster sich da über die Jahre eingenistet haben.
Aber genau das ist der Punkt. Man kann nichts ändern, was man nicht hört. Und sobald Sie diese Floskeln einmal bewusst gehört haben, verschwinden sie schneller, als Sie denken. Bewusstsein ist die halbe Miete – die andere Hälfte ist die Wiederholung.
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